„Underm Himmel“ steht das Weihnachtspostamt
Wenn österreichische Kinder ihren Wunschzettel für Weihnachten verfasst haben, können sie ihn hochoffiziell beim Weihnachtspostamt Christkindl abliefern – und erhalten sogar garantiert eine Antwort.
Das Christkind hat ein eigenes Postamt. Und das ist gar nicht mal so weit weg, wie man denken mag. Es steht bezeichnender Weise in Christkindl, einem Stadtteil im oberösterreichischen Steyr und heißt ganz offiziell Weihnachtspostamt.
Doch wie kam das Weihnachtspostamt nach Österreich? Um das zu erklären, muss man schon ein wenig ausholen.
Es begann im „Wald underm Himmel“
Der Überlieferung nach liegt der Ursprung des Ortes Christkindl und seiner gleichnamigen Wallfahrtskirche im 17. Jahrhundert. Zu dieser Zeit lebte ein gewisser Ferdinand Sertl in Steyrer. Er übte das Amt des örtlichen Kapellmeister aus, litt jedoch an dem Übel der Fallsucht. Um Linderung zu erfahren, besorgte sich der gläubige Kapellmeister eine Christkindfigur aus Wachs, da diesen Figuren heilende Kräfte nachgesagt wurden. Die Wachsfigur stellte Ferdinand Sertl zusammen mit einem Bild der heiligen Familie in eine ausgehöhlte Fichte, welche an einem verlassenen Ort im Wald underm Himmel stand. In der Folgezeit pilgerte er nun mehrmals wöchentlich zu seinem Baum und betete.
Wie durch ein Wunder sollen dann irgendwann seine Gebete erhört worden sein und die Anfälle nachgelassen haben. Rasch verbreitete sich die Nachricht der wundersamen Heilung und der Fichtenbaum mit der Christkindfigur wurde ein beliebter Andachtsort.
Um der steigenden Anzahl der Wallfahrer gerecht zu werden, errichtete ein Bauer im Jahre 1699 schließlich eine hölzerne Kapelle um den Baum herum. Doch auch die hölzerne Kapelle wurde schon bald zu klein und so beantragte der Abt des Klosters im benachbarten Garsten den Bau einer steinernen Kapelle. Dies jedoch lehnte das erzbischöfliche Ordinat strikt ab, da dort der Kult um eine Wachsfigur mit Argwohn betrachtet wurde.
Erst nach langem Hin- und Her wurde letztendlich die heute bekannte Wallfahrtskirche Christkindl errichtet und im Jahre 1725 geweiht. In ihrem Inneren steht bis heute der Fichtenstamm von Ferdinand Sertl, umbaut von einem wunderschönen barocken Hochaltar. Die Kirche wurde im Laufe der Zeit Mittelpunkt eines beschaulichen Städtchens – Christkindl, am Rande von Steyr.
Eine Kirche, ein Ort, ein Postamt
Größere Bekanntheit erlangte der kleine Ort jedoch erst ab 1950. In diesem Jahr richtete die österreichische Post hier nämlich das Weihnachtspostamt ein. Das Sonderpostamt Christkindl wurde zunächst im Pfarrhof und später im benachbarten Gasthof untergebracht. Hier bearbeitet man seitdem alljährlich die eingehende Weihnachtspost –jeweils von Adventsbeginn bis einschließlich 6. Januar des Folgejahres.
Was diese Sendungen besonders machte, war der Poststempel des Postamtes – mit einem Weihnachtsmotiv. Später kam zusätzlich zum Weihnachtsstempel vom 26. Dezember bis zum 6. Januar auch noch der Dreikönigsstempel hinzu. Seit 1958 ziert zudem eine eigens kreierte Weihnachtsbriefmarke die Sendungen der Kundschaft – anfangs mit der Christkindl Kirche als Motiv, später dann mit wechselnden Abbildungen.
Die Nachfrage wuchs rasch
Das improvisierte Postamt erfreute sich rasch wachsender Beliebtheit. Dadurch stieg auch die Zahl der jährlich zu bearbeiteten Weihnachtssendungen. Wurde die Weihnachtspost in Anfangszeiten noch von stundenweise beschäftigten Aushilfen bewältigt, nahm das Geschehen rasch professionellere Züge an. Die mittlerweile mehr als fünfzehn Mitarbeiter im Weihnachtspostamt stempeln wie kleine Weihnachtskobolde im Akkord und bearbeiten jährlich allein einige tausend Wunschzettel von Kindern. Zusätzlich wollen sich mehr als 100.000 Gäste ihre Grußkarten durch Weihnachtspostmarke und Christkind-Sonderstempel direkt vor Ort „segnen“ lassen. Hinzu kommen die unzähligen Weihnachtsgrüße, die die österreichische Post aus anderen Städten über das Weihnachtspostamt A-4411 Christkindl umleitet. Diese werden zur Entlastung der Mitarbeiter jedoch heutzutage überwiegend maschinell abgestempelt.
Das touristische Komplettpaket
Mit dem Weihnachtspostamt wuchs auch die Fremdenverkehrsstruktur der kleinen Ortschaft Christkindl. Zur Weihnachtszeit bekommen Touristen mittlerweile das kompakte Komplettprogramm geboten: zuerst der Besuch der schmucken Wallfahrtskirche samt Wachsfigur und barockem Altar, danach rüber zu den sehenswerten Krippen im angrenzenden Pfarrhof und zum Schluss die obligatorische Stippvisite beim Weihnachtspostamt. Wer Österreich kennt, weiß, dass zur Weihnachtszeit wahrscheinlich auch noch das Wetter mitspielt und die ganze Szenerie in winterliches Weiß getaucht ist.
Man könnte es sich jetzt einfach machen und das Ganze kitschig finden. Das ist es vielleicht ein bischen, doch den Kindern gefällt’s. Nicht zuletzt, weil ihre Wunschzettel Jahr für Jahr „direkt beim Christkind landen“ – und sie stets eine Antwort erhalten.
Jeder Wunschzettel erhält eine Antwort
In den Briefen der Kinder, die im Postamt Christkindl landen, befinden sich überwiegend ganz klassische Wunschzettel für Weihnachten: ordentlich aufgelistet oder praktischerweise direkt aus dem Spielzeugkatalog ausgeschnittene Objekte der Begierde. Manche Wünsche sind aber auch immaterieller Natur und sehr persönlich. So wünschen sich beispielsweise einige Kinder die baldige Genesung eines Familienangehörigen oder ganz frech heraus den neuen Partner für Mama oder Papa. Beantwortet werden alle Briefe, mal mehr, mal weniger individuell – sofern ein frankierter Rückumschlag beigelegt ist. Die Kinder freut es allemal – man bekommt ja schließlich nicht alle Tage hochoffizielle Post vom Christkind.
Leitzettel – Sticker für einen Stempel ohne Besuch
Wer die Weihnachtsgrüße aus seinem Ferienhaus oder der Ferienwohnung in Österreich gerne mit einem Sonderstempel des Weihnachtspostamtes versehen hätte, muss nicht extra nach Christkindl. In sämtlichen Filialen der Österreichischen Post sind sogenannte Leitzettel erhältlich. Diese Aufkleber mit der Aufschrift „über Postamt Christkindl“ klebt man auf die normal frankierte und adressierte Post. Die wird anschließend über das Postamt Christkindl umgeleitet und dort mit dem Weihnachts- oder Dreikönigsstempel versehen.
Jeweils sechs dieser Aufkleber sind zusammen für knapp 3,50 Euro in den Filialen oder dem Onlineshop der österreichischen Post erhältlich. Pro Sendung benötigt man nur einen Aufkleber pro Sendung. Übrig gebliebene Aufkleber behalten ihre Gültigkeit.
Mit dem Oldtimer Postbus zum Christkindl
Für echte Nostalgiker bietet sich die Fahrt zum Sonderpostamt Christkindl in einem aufwendig restaurierten Oldtimer-Postbus aus den Fünfziger Jahren an. Chauffeure in Originaluniformen entwerten die Fahrscheine der Gäste noch mit der Lochzange und bringen die Kundschaft von Steyr nach Christkindl und zurück. Eine Strecke dauert knapp 15 Minuten und die Preise sind recht human: Hin- und Rückweg kosten für Erwachsene nur 4 Euro. Kinder bis einschließlich 15 Jahren zahlen nur die Hälfte.
Die Busse starten vom 19. November bis einschließlich 31. Dezember täglich von der Haltestelle „Stadtplatz Marienkirche“ in Steyr, jeweils um: 10:20, 11:00, 11:40, 12:20, 13:20, 14:00, 14:40, 15:20, 16:00 und 16:40 Uhr.
Zurück vom Pfarrhof Christkindl zum Stadtplatz Marienkirche geht es jeweils um:
10:40, 11:20, 12:00, 12:40, 13:40, 14:20, 15:00, 15:40, 16:20 und 17:20 Uhr.
Am 24. und 31. Dezember fahren die Busse nur bis 12:00 Uhr.
(Stand: Anfang 2012)

